Der Fachkräftemangel in Deutschland hat sich in den letzten Jahren drastisch verschärft. Laut Mittelstand-Nachrichten fiel es bereits 2021 70% der deutschen mittelständischen Unternehmen schwer, geeignete Mitarbeiter zu finden. Diese Zahl ist seitdem weiter gestiegen.
Die Gründe für den zunehmenden Mangel an Fachkräften sind vielfältig. Eine wesentliche Ursache ist der demografische Wandel, durch den immer weniger junge Menschen nachrücken. Doch ein ebenso großes Problem ist, dass viele Unternehmen noch nicht genug unternehmen, um dem Fachkräftemangel mit digitalen Methoden entgegenzuwirken.
Ursachen des Fachkräftemangels in Deutschland
Die alterende Bevölkerung in Deutschland führt dazu, dass weniger junge Menschen ins Berufsleben eintreten als ältere ausscheiden. Laut Statistischem Bundesamt geht die Zahl der 20- bis 66-Jährigen, die im erwerbsfähigen Alter sind, bis 2035 um rund 4 bis 6 Millionen zurück.
Gleichzeitig wächst mit der älteren Generation der Anteil der Personen, die pflegebedürftig werden und damit weitere Arbeitskräfte binden. Schon jetzt gibt es in Deutschland einen großen Mangel an Pflegekräften.
Diese demografischen Veränderungen führenbranchenübergreifend zu einer Verknappung der Fachkräfte. Besonders betroffen sind Berufe wie Ingenieure, IT-Fachleute, Techniker, Pflegekräfte, Erzieher und Lehrkräfte.
Aber auch in handwerklichen oder Dienstleistungsberufen finden sich oft nicht genügend Bewerber für offene Stellen. Selbst Branchenriesen wie die Deutsche Bahn oder die Deutsche Telekom klagen über fehlende Fachkräfte und unbesetzte Stellen.
Digitale Recruiting Methoden gegen den Fachkräftemangel
Viele Unternehmen in Deutschland haben das Problem des Fachkräftemangels zwar erkannt, setzen aber noch nicht genügend digitale Maßnahmen ein, um diesem entgegenzuwirken.
Laut der eingangs erwähnten Studie spielen bei den meisten Firmen Faktoren wie diese eine Rolle:
- Scheinbar fehlende Zeit für die Umstellung auf digitale Rekrutierung
- Mangelnde oder unklare Zuständigkeit für solche Maßnahmen
- Fehlende Expertise im Umgang mit digitalen Recruiting-Tools
- Noch nicht das richtige Mindset für die digitale Transformation im Recruiting
Doch die digitalen Möglichkeiten sind da und müssen genutzt werden. Denn der Fachkräftemangel wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen.
Digitale Rekrutierung spart Zeit
Im Schnitt benötigen Unternehmen über 120 Tage, um eine offene Stelle zu besetzen. Mit digitalen Tools lässt sich dieser Prozess deutlich beschleunigen.
Moderne Bewerbermanagement-Systeme helfen zum Beispiel dabei, Bewerbungen zu sichten, zu filtern und geeignete Kandidaten schneller zu identifizieren. Chatbots können einfache Standardfragen von Bewerbern automatisiert beantworten und so die Personalabteilung entlasten.
Digitale Kanäle nutzen
Mehr als 80% der Deutschen informieren sich regelmäßig online über Jobangebote und sind in sozialen Netzwerken aktiv. Digitale Medien sind daher eine optimale Plattform für Employer Branding.
Unternehmen müssen präsent sein, wo die potentiellen Bewerber sind: auf der eigenen Karriereseite, auf Jobportalen, in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und LinkedIn sowie auf Plattformen wie Xing und Kununu.
Je mehr digitale Kanäle ein Unternehmen bespielt, desto eher spricht es passende Kandidaten an, die sonst nicht auf das Stellenangebot aufmerksam würden.
Bewerbungsprozess digitalisieren
Um im Recruiting wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen den Bewerbungsprozess digitalisieren und automatisieren. Das ermöglicht es der Personalabteilung, sich auf die Gewinnung der besten Talente zu konzentrieren, statt sich in Administration zu verzetteln.
Moderne Tools für das Bewerbermanagement erlauben es, Bewerbungen papierlos entgegenzunehmen und zu verwalten. Bewerber können sich mit wenigen Klicks online bewerben, ohne Unterlagen ausdrucken und versenden zu müssen.
Automatisierte Workflow-Systeme sorgen dann dafür, dass Bewerbungen standardisiert bearbeitet werden. Bewerber erhalten automatisch Eingangsbestätigungen und Benachrichtigungen über den Stand ihrer Bewerbung.
Employer Branding gegen den Fachkräftemangel
Eine attraktive Arbeitgebermarke ist entscheidend, um im Wettbewerb um die besten Köpfe zu punkten. Je attraktiver sich ein Unternehmen präsentiert, desto mehr passende Bewerbungen wird es erhalten.
Beim Employer Branding geht es darum, die eigenen Stärken als Arbeitgeber herauszustellen:
- Warum ist es attraktiv, in diesem Unternehmen zu arbeiten?
- Was bietet es den Mitarbeitern?
- Welche Unternehmenswerte werden gelebt?
Vor allem für bereits berufstätige Fachkräfte ist die Identifikation mit der Unternehmenskultur ein wichtiges Kriterium bei der Jobsuche. Sie wollen in einem Umfeld arbeiten, das zu ihnen passt.
Gutes Employer Branding ermöglicht es auch, qualifizierte Mitarbeiter von der Konkurrenz abzuwerben. Denn nur wer die besten Talente hat, kann langfristig erfolgreich sein.
Social Media für Employer Branding
Um die gewünschte Zielgruppe zu erreichen, müssen Unternehmen dort präsent sein, wo sie sich aufhält – auch in den sozialen Medien. Eine Social Media Strategie ist daher wichtiger Teil des Employer Brandings.
Die eigenen Accounts auf Plattformen wie Facebook, Instagram, Twitter oder LinkedIn bieten die Möglichkeit, authentische Einblicke ins Unternehmen zu geben und die Arbeitgebermarke erlebbar zu machen.
Beiträge der Mitarbeiter oder Videos aus dem Arbeitsalltag zeigen Interessierten, wofür das Unternehmen steht und warum es sich lohnt, sich zu bewerben.
Content Marketing für mehr Reichweite
Content Marketing, also die Erstellung hochwertiger Inhalte, ist eine weitere Säule des digitalen Employer Brandings. Texte, E-Books, Videos oder Podcasts bieten die Möglichkeit, tiefergehende Informationen bereitzustellen.
Dabei geht es darum, nützliche Inhalte zu schaffen, die die Zielgruppe interessieren und weiterbringen. So können Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden.
Guter Content spricht zugleich neue Besucher auf der Website an und verbessert so die Auffindbarkeit der Karriereseite. Er sollte daher immer auch im Hinblick auf Suchmaschinenoptimierung aufbereitet werden.
Best Practices: So klappt die digitale Personalgewinnung
Damit die digitale Rekrutierung gelingt, gibt es einige Best Practices, die Unternehmen beachten sollten:
Suchmaschinenoptimierung für mehr Sichtbarkeit
Eine optimierte Karriereseite, die in Google und Co. weit oben rankt, generiert mehr organischen Traffic und erreicht so mehr potenzielle Bewerber.
Gute Suchmaschinenoptimierung sorgt auch dafür, dass man in den Ergebnissen vor der Konkurrenz angezeigt wird. SEO ist daher essenziell.
Proaktive Ansprache statt passiver Stellenanzeigen
Um die besten Kandidaten zu gewinnen, reichen Stellenanzeigen allein nicht aus. Es braucht eine proaktive Ansprache über diverse Kanäle.
Die Anzeigen und andere Inhalte müssen kreativ auf die Zielgruppe zugeschnitten sein. Nutzen Sie die Stärken der jeweiligen Plattform.
Bewerbermanagement automatisieren
Automatisierte Systeme für das Bewerbermanagement sparen Ressourcen und ermöglichen eine schnellere, effizientere Bearbeitung.
So bleibt mehr Zeit, sich auf die wichtigen Aufgaben zu konzentrieren und den Kontakt zu vielversprechenden Kandidaten zu pflegen.
Vielfalt der Kanäle nutzen
Je mehr digitale Kanäle bespielt werden, desto besser. Neue Plattformen bieten neue Chancen, potenzielle Bewerber anzusprechen. Bleiben Sie am Puls der Zeit.
Denken wie im Vertrieb
Die Suche nach den richtigen Talenten muss wie Kundenakquise betrieben werden. Legen Sie eine umfassende Strategie fest und gehen Sie sie proaktiv an.
Fazit: Mit Digitalisierung dem Fachkräftemangel entgegenwirken
Der Fachkräftemangel wird sich in den kommenden Jahren weiter zuspitzen. Unternehmen müssen ihr Recruiting umfassend digitalisieren, um auch künftig die passenden Mitarbeiter zu finden.
Eine zeitgemäße digitale Präsenz und Omnichannel-Strategie sind entscheidend, um im Wettbewerb um die besten Talente zu bestehen.
Gleichzeitig muss die Candidate Experience verbessert werden. Moderne Tools für das Bewerbermanagement und die Automatisierung von Prozessen beschleunigen die Rekrutierung.
Unternehmen, die jetzt die Weichen stellen, haben einen klaren Wettbewerbsvorteil. Sie sichern sich die dringend benötigten Fachkräfte und können ihre Innovationskraft auch für die Zukunft erhalten.

